the napthe nap

the cold. inside outthe cold. inside out

Ein paar noch unrunde ├ťberlegungen zum allgegenw├Ąrtigen Misstrauen. Ich freue mich ├╝ber eure Meinungen.

Die Vertrauenskrise, in der sich Deutschland und seine europ├Ąischen Nach barn befinden, ist umfassend. Die B├╝rger misstrauen den Politikern, der so genannten „politischen Klasse“, die abgehoben sei, machtversessen und egoman. Sie misstrauen den Bankern, die unsere Zivilisationen vor sechs Jahren im Mark ersch├╝ttern haben. Sie misstrauen den Chefs, die 30-mal so viel verdienen wie sie. Sie misstrauen den Journalisten, die in der Wulff-Aff├Ąre Bobbycars hinterhertelefonierten, sich in der Ukraine-Krise im Sch├╝tzengraben w├Ąhnen und Demonstranten als „Wutb├╝rger“, Nato-Kritiker als „Putin-Versteher“ schm├Ąhen. Ja selbst die Wissenschaftler und Staatsanw├Ąlte sind nach Plagiatsskandalen und fragw├╝rdigen Klageschriften (Kachelmann, Wulff) nicht mehr unbefleckt.

Die B├╝rger misstrauen ihren Eliten, so viel ist sicher. Das ist verheerend, denn diese Eliten sind sichtbar, sie bewegen sich auf einer B├╝hne. Sie sind mit Sicherheit keine Vorbilder so wie Mario G├Âtze ein Vorbild f├╝r kleine Fu├čball-Stars ist. Sie sind aber die Taktgeber der Gesellschaft; sie pr├Ągen, in dem sie vorleben. Ihre Verfehlungen vergr├Â├čern sich hundertfach und werden stilpr├Ągend. Wenn das Verhalten der Eliten anr├╝chig ist, wirkt es oft so als sei die ganze Gesellschaft verdorben. Mehr noch: Eliten verderben die Gesellschaft.

Beispiel: Ein Bundeskanzler nimmt kurz nach dem Ende seiner Amtszeit die Dienste eines gro├čen Gaskonzerns an, den er vorher politisch protegiert hatte. Der Bundeskanzler hatte zuvor einen Eid geschworen, zum Wohle des Volkes zu arbeiten, den er aber hintenanstellt, sobald er es darf und sich lieber nimmt, was er kriegen kann. Warum sollte nicht auch ein kleiner B├╝rger jede legale Gelegenheit ergreifen, um sich einen Vorteil zu verschaffen, wenn der Bundeskanzler es genauso macht? Und, wenn ein Rechtschaffener sieht, dass sein Mitb├╝rger so handelt, warum sollte er es nicht selbst auch tun?

Noch ein Beispiel: Wenn Journalisten einen Gewerkschaftschef pers├Ânlich verunglimpfen, aber nicht gleichzeitig erkl├Ąren, welche Rolle das Multi-Milliarden-Euro-Unternehmen spielt, das ihm gegen├╝bersteht, dann wundere ich mich nicht, warum unter Nachbarn lieber geklagt wird als nachgefragt.

Wenn aber die B├╝rger sich grundlegend misstrauen, ger├Ąt alles ins Wanken. Dieser Effekt wird in unseren Zeiten verst├Ąrkt durch die allgemeine Unsicherheit, die Klimawandel, Wirtschaftskrisen und Terroranschl├Ąge hervorrufen. In einer guten Gesellschaft sind sich die Menschen sicher, dass ihre Mitb├╝rger, auch wenn sie anders denken, leben, aussehen, noch eine ├ťberzeugung teilen: dass es wichtig ist, was den Mitmenschen zust├Â├čt, dass sie das Gemeinwohl im Auge haben. Das Streben nach dem Gemeinwohl m├╝sste sich wie ein kleiner Faden von der ├ärztin zum M├╝llmann zum Offizier zur Studentin ziehen. Das w├╝rde Sicherheit schaffen. Denn, wenn ich wei├č, dass sich mein Gegen├╝ber auch um die Gemeinschaft k├╝mmert, teile ich etwas mit ihm, habe weniger Angst vor ihm und traue ihm und meinen Mitmenschen generell mehr zu. Der Zusammenhalt w├Ąre gr├Â├čer und die Gefahr von Radikalisierung und Extremismus kleiner.

ÔÇöÔÇöÔÇö
Ich sp├╝re diese gro├če Vertrauenskrise wie ein kleines, stetes Beben. Ich kann bisher keinen dieser Gedanken belegen. Das wollte ich an dieser Stelle aber auch noch nicht. Entsprechende Studien und Umfragen werde ich bei Gelegenheit heraussuchen. ├ťber Hinweise bin ich dankbar.

 

FreudeJoy

Schulkinder in den tibetischen Regionen Chinas, 2007

Das Ende der WeltThe End Of The World

Carnarvon, Australien 2006

Die ganze Welt besorgt’s sich gegenseitig – aber ich? Ich mache da nicht mit.

Ein Verkannter

A maze and amazement go together, no?


Jorge Luis Borges

Indeed, they do.

Eine Hexe bei JesusA Witch At Jesus'

Via Dolorosa, Jerusalem, 2014

In journalism just one fact that is false prejudices the entire work. In contrast, in fiction one single fact that is true gives legitimacy to the entire work.

Gabriel Garcia Marquez, The Art of Fiction No. 69, Paris Review

Wahr ist es, es ist ein verludertes Kaufmannsnest hier. Huren genug, aber keine Musen

Heinrich Heine, 1816

„Mein Mann“, sagte Pippa, „war nur ein Mal am Pool. Gerade lang genug, um die These aufzustellen, in dieser Generation lie├čen sich die Einkommensverh├Ąltnisse an den Farben der Badebekleidung ablesen.“

Was einer englischen Hochzeit in der tunesischen W├╝ste noch fehle, sei doch ein Schweizer Gesch├Ąftsmann im Kost├╝m eines S├╝dstaatenjunkers.

Jonas L├╝scher, „Fr├╝hling der Barbaren“

Das einzige sch├Âne Juristenwort: Laufbilder. Sein h├Ą├člicher Zwilling: Laufbilderschutz.

Manchmal babbeln die Menschen. Dann trinken sie Wein im Wirtshaus, und das ist gut. Manchmal babeln sie aber auch. Dann f├╝hren sie Krieg in der Welt.

Nur weil sie nicht echt ist, hei├čt das noch lange nicht, dass ich sie nicht f├╝hlen kann.

Weinender Typ in Girls S03 E04 nachdem er erf├Ąhrt, dass die Geschichte wegen der er gerade weint, nur erfunden ist

Die Mystiker berufen sich auf eine Rose, einen Kuss, einen Vogel, der alle V├Âgel ist, eine Sonne, die jeglicher Stern und die Sonne ist, einen Krug Wein, einen Garten oder den Geschlechtsakt. Keine von diesen Metaphern taugt mir f├╝r jene lange Nacht des Jubels, die uns m├╝de und gl├╝cklich am Saum des Morgens absetzte.

Jorge Luis Borges, „Der Kongress“ in Spiegel und Maske, Erz├Ąhlungen 1970-1983

M├Âglicherweise ist diese Welt die H├Âlle eines anderen Planeten.

Aldous Huxley

Was morgen ist, auch wenn es Sorge ist, ich sage: Ja!

Wolfgang Borchert

BuschbrandWildfire

Buschbrand irgendwo in Australien, 2006

Evil, above all evil on the scale practiced by Nazi Germany, can never be satisfactorily remembered. The very enormity of the crime renders all memorialisation incomplete. Its inherent implausibilityÔÇöthe sheer difficulty of conceiving of it in calm retrospectÔÇöopens the door to diminution and even denial. Impossible to remember as it truly was, it is inherently vulnerable to being remembered as it wasnÔÇÖt.

Tony Judt, Postwar (Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegewart) via Ta-Nehisi Coates

Molhem Barakat

camera of Molhem Barakat, freelance photographer with reuters news agency in syria, blood stained

Molhem Baraka war erst 17 Jahre alt und schon freiberuflicher Fotograf f├╝r Reuters in Syrien. Er starb vergangenen Freitag in Aleppo. Das sind seine Kameras.

Das Bild l├Ąsst mich nicht los.

Mein Kollege Benjamin Hiller hat auf meiner Facebook-Seite noch ein paar wichtige Fragen zur Rolle von Reuters aufgeworfen:

Jemanden von vor Ort, welcher allem Anschein nach weder Schutzweste noch Helm bekommen hat, und dazu noch Minderj├Ąhrig ist, als „Stringer/Bilderlieferanten“ anzuheuern – und dabei zur gleichen Zeit sehr erfahrene Journalisten nicht mehr in diese Gebiete aus Sicherheitsgr├╝nde schickt bzw. sogar deren Fotos nicht mehr erwirbt. Hier liegt schon eine gewissen „Doppelz├╝ngigkeit“ der Pressestandards vor

Weiterlesen: More Questions For Reuters About The Death Of Molhem Barakat, Teenage War Photographer

Das Paradoxe an Nachrichten ist doch, dass wir aufh├Âren, uns eine Vorstellung davon zu machen, was in der Welt geschieht, sobald wir uns von ihnen informieren lassen.